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Klicken Sie auf die Abbildung, um die PDF-Datei des originalen Artikels herunterzuladen.Dieser Artikel erschien CHOIR & ORGAN, September/Oktober 2011.
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17. Martin Butter, Ridderkerk, Niederlande
(von Chris Bragg)

In: CHOIR & ORGAN, Heft September/October 2011, www.choirandorgan.com

Rubrik:    Practice Room (der Übungsraum); The Instruments You Play at Home (Instrumente, die man zu Hause spielt)

Martin Butter arbeitet einerseits als Orgelbauer für Henk van Eeken, ist aber andererseits auch selbständig als Instrumentenbauer tätig und fertigt meisterlich gearbeitete Tasteninstrumente an ­– Cembali, Virginale, Spinette, Truhenorgeln und Übungsorgeln – wie Chris Bragg berichtet.

Butters eigene Hausorgel spiegelt sein Credo wider: "Bevor man sich selbst einen Orgelbauer nennen kann, muss man jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit dem Material haben, und man muss eine Reihe von Instrumenten gänzlich selbst angefertigt haben."

Mit der gegenwärtigen Hausorgel, deren Bau 2007 abgeschlossen war, ist dies ziemlich genau im Wortsinn der Fall. Butter goss das Pfeifenmetall selbst (auf Sand in der Werkstatt Van Eekens) und fertigte jeden anderen Teil des Instruments selbst, einschließlich des reich geschnitzten Notenpults, das Schnitzwerk und die Kalligraphie der Registerschilder. Die Klaviaturen haben Untertasten mit Buchsbaum und mit Ebenholz belegte Obertasten. Angesichts seiner Herkunft als Auszubildender  und Mitarbeiter Van Eekens, dessen historische, nordeuropäische Orgelbauweise den Prinzipien der "Prozess-Rekonstruktion" folgen, ist es nicht überraschend, dass dieses Instrument speziell für Renaissance- und Frühbarockmusik entwickelt wurde. Die Stimmung ist ¼-Komma-mitteltönig, mit einer leichten Änderung, wobei die Töne Es als D# gestimmt werden. Der Klaviaturumfang erstreckt sich nur bis c3. Das Gehäuse ist aus radial gesägter (quarter sawn) slowenischer[IO1]  Eiche und basiert auf dem Rugwerk-Gehäuse der Orgel (Nicolaas Langlez, 1680) der Waalse Kerk in Amsterdam und den Gehäusen der Severijn-Orgel (1650) der St. Martinuskerk in Cuijk.

Das metallene Pfeifenwerk hat einen hohen Bleigehalt (83 Prozent), und der Praestant 4' bildet die Prospektpfeifen. Viele Angaben erhaltener Positive aus der Mitte des 17. Jh. des Nürnberger Orgelbauers Nicolaus Manderscheidt wurden beim Bau genutzt, darunter die Instrumente im Museum zu Skara, Schweden und –bemerkenswerterweise – im Museum von Liverpool. Der Wind wird durch einen einzigen Keilbalg im Untergehäuse der Orgel zur Verfügung geliefert. Die beiden Manualwerke teilen sich eine einzige Lade mit Ventilkästen vorne und hinten. Die Disposition der Manualwerke erinnert an die traditionell holländische Hoofdwerk/Bovenwerk-Ästhetik mit dem Prinzipal-Chor auf dem ersten Manual und den Flöten und (schließlich) klangnachahmender Zungenstimmen auf dem anderen Manual.

Auch wenn sie nicht gleichermaßen praktisch sein mag für alle Anforderungen, die ein Organist beim Üben stellen mag, so ist Butters Orgel ein erstaunlich bereicherndes und delikates Stück Handwerkskunst mit einem Klang, der das Ohr des Zuhörers in einer unaufdringlich charmanten Art verführt und dabei eine beredte Wärme entfaltet, selbst im Wohnraum eines modernen Reihenhauses. Der eichene Praestant 8' ist eine besonders kluger Bestandteil, erinnert an die vergleichbaren Register in den Brustwerken der größten Orgeln Arp Schnitgers. Er bietet einen farbigen Kontrapunkt zu den gedeckten Holzflöten 8' wie man sie in dieser und anderen solchen Orgeln findet, und mischt sich besonders gut im Zusammenspiel mit anderen Instrumentalisten.

Martin Butter hat das Notenpult ebenso selbst geschnitzt wie er die Registerschilder kalligraphierte.

Die große Leistung Butter liegt hierbei in der Schaffung eines zutiefst musikalischen Instruments, das sich weit erhebt über die prosaische und robuste Effizienz vieler Beispiel dieser Art. Darüber hinaus ist diese Orgel ist ein spektakuläres Beispiel für die einzigartige und doch interdisziplinäre Kreativität eines Weltklasse-Handwerkers mit einem tiefen Verständnis für die Arbeit der historischen Handwerker mit einem geradezu schwindelerregenden Grad Expressivität.

www.martinbutter.nl

Martin Butter Hausorgel, Ridderkerk, Martin Butter (2007)
Unteres Manual:
Holfluyt 8’ Eiche. Die größten sieben Pfeifen befinden sich im Untergehäuse.
Fluyt 4’ Bass, Eiche mit durchbohrten Stöpseln, Diskant 83% Blei
Nasard 3’ Bass, Eiche mit durchbohrten Stöpseln, Diskant konisch, 83% Blei
Cromhorn 8' Einbau zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen
 
Oberes Manual:
Principael 8’ ab e°, Eiche, mit Labien aus Birne
Roerfluyt 8’ Eiche mit durchbohrten Stöpseln. Bassoktave aus der Holfluyt.
Praestant 4’ C-A aus Eiche. B-h1 im Prospekt, Rest auf der Lade
Octaeff 2’ Bassoktave aus Eiche, Rest 83% Blei
 
Manualumfang C, D-c3 (48 Töne)
Pedalumfang C, D-d' (26 Töne)
Pedalkoppel I oder II an Pedal
Tremulant auf beiden Manualen
Temperatur modifiziert ¼-Komma-mitteltönig.
Winddruck 46 mm